Wozu Abstimmung ? - Grundsätzliche Fragen - Komponenten - Federn - Stabilisatoren - Dämpfer - Komplettfahrwerke - Reifen - Tüv-Eintragung

Viele Autos werden ab Werk mit einem Fahrverhalten ausgeliefert, das von sportlichen Fahrern als nicht zufriedenstellend empfunden wird. Sportliches Kurvenfahren scheitert oft am frühen Untersteuern, das Auto vermittelt nur dem Aussehen nach den Eindruck eines Kurvenräubers. Aber auch der Geradeauslauf bei hohen Geschwindigkeiten verursacht häufig feuchte Hände. Typische Maßnahmen wie Tausch von Reifen, Federn und Stabilisatoren bringen zwar eine leichte Verbesserung, aber keine grundsätzliche Veränderung der Situation. Eine individuelle Abstimmung kann da Abhilfe schaffen.

Wozu Abstimmung ?

20140706-0115-sp-1082 C WEICHERTAus dem Motorsport ist bekannt, dass viel Aufwand in die Abstimmung der Rennwagen gesteckt wird. Für jede Strecke, für jedes Wetter gibt es ein unterschiedliches Setup, Reifen und Fahrwerkskomponenten. Der Rennwagen soll perfekt auf die aktuell vorherrschende Aufgabe abgestimmt sein. So wird bei einem Regenrennen auf der Nordschleife ein anderes Setup erforderlich sein als bei Sonne auf dem Hockenheimring.

Im normalen Straßenbetrieb ist eine solch aufwändige Abstimmung natürlich nicht möglich. Es muss ein Kompromiss gefunden werden, der für alle Situationen gut funktioniert. Die Autohersteller verfolgen zudem auch noch andere Zielsetzungen, z.B. muss das Auto für jeden Käufer sicher fahrbar sein, es sollte möglichst wenig Rollwiderstand haben, um den Kraftstoffverbrauch zu senken, und noch andere Dinge mehr. Dabei bleibt oft der Fahrspaß auf der Strecke.

Eine individuelle Abstimmung verfolgt das Ziel, ein Auto so zu verändern, dass die Erwartungen des Besitzers erfüllt werden und er sich auf die nächste kurvige Landstraße, eine freie Autobahn oder gar auf eine Rennstrecke freuen kann.

Grundsätzliche Fragen

Viele Bauteile eines Autos nehmen Einfluss darauf, wie es sich fährt. Zunächst denkt man an Reifen, Federn, Stoßdämpfer oder Stabilisatoren. Tatsächlich aber ist es die Summe aller Komponenten und ihrer Auslegung, die das Fahrverhalten bestimmt. Die konstruktive Auslegung der Achsen, die Art und Weise, wie die Achsteile arbeiten, bilden die Grundlage für jegliche Setuparbeit. Dabei kommt es aber nicht nur darauf an welche Bauteile verbaut sind, sondern vor allem auch auf die Einstellung. So kann aus einem braven Familienauto nur durch das Verstellen der Spur an der Hinterachse ein Driftmonster werden, das kaum noch geradeaus läuft.

Will man ein Fahrzeug dazu bringen, dass es sein Fahrverhalten ändert, so erfolgt das in zwei Schritten. Die meisten Bauteile und ihre Geometrie sind zwar vom Hersteller vorgegeben und können nicht so ohne Weiteres verändert werden. Wesentliche Teile des Fahrwerks können aber ersetzt werden. Hierzu zählen Federn, Stoßdämpfer, Stabilisatoren und Reifen. Im ersten Schritt wird also festgelegt, welche Kombination von Bauteilen im Auto eingesetzt werden soll. Dabei spielt die Erwartungshaltung des Besitzers eine große Rolle, aber auch praktische Überlegungen, denn manch Einer hat eine Tiefgarageneinfahrt, die ein zu starkes Absenken des Autos verbietet.

Doch ein bloßes Tauschen von Federn oder Reifen verändert das Fahrverhalten nicht nachhaltig. Oft genug gerät das Fahrzeug durch Einbau verschiedener Komponenten aus der Balance und wird fast unfahrbar. Nach dem Einbau der gewünschten Komponenten erfolgt muss also im zweiten Schritt dann die Abstimmungsarbeit erfolgen.

B20140706-0247-sp-1214 C WEICHERTei jedem Auto wird eine sehr individuelle Abstimmung durchgeführt, um die besten Einstellungen für dieses Auto in der gegebenen Konfiguration (Federn, Stabis, Reifen etc) zu finden. Dazu wird jedes Auto gefahren, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Anschlíeßend erfolgt eine Komplettvermessung der Achsen und Einstellung auf plausible Startwerte. Die nachfolgende Testfahrt gibt dann vor, in welche Richtung diese Einstellung verändert werden muss. Typischerweise wird jedes Auto 3 bis 4 Mal komplett vermessen und eingestellt, bis die optimale Abstimmung gefunden ist. Aus diesem Grund sind die eingestellten Werte selbst bei gleichem Fahrzeugmodell alle unterschiedlich und nicht auf andere Fahrzeuge übertragbar.

Wir raten dringend von Experimenten in diesem Bereich ab, schon eine falsch eingestellte Spur kann in der nächsten schnellen Autobahnkurve zum Abflug führen.

Komponenten

Wie bereits erwähnt, können einzelne Fahrwerkskomponenten getauscht werden. Für fast jedes Fahrzeug gibt es von verschiedenen Herstellern Federn, Dämpfer, Stabilisatoren oder Komplettfahrwerke. Es ist unmöglich, Empfehlungen auszusprechen, die für jedes Auto passen würden.

Wichtig ist zunächst der Anspruch des Fahrers. Geht es nur darum, den Geradeauslauf zu verbessern? Oder stört das extreme Untersteuern bei sportlicher Landstraßenfahrt? Soll das Auto bei gelegentlichen Trackdays auf Rennstrecken eine gute Figur machen? Oder handelt es sich gar um ein echtes Rennfahrzeug, das auf maximale Performance getrimmt werden soll?

Von den Antworten hängt die weitere Vorgehensweise ab. Schon mit einer sauberen Abstimmung der Serienkomponenten lässt sich eine spürbare Verbesserung erzielen, die sich durch Einbau anderer Federn und Stabilisatoren ein ganzes Stück ausbauen lässt. Am anderen Ende des Leistungsspektrums stehen dann Gewindefahrwerke oder Komplettfahrwerke, die viele Einstellmöglichkeiten bieten, die aber den normalen Fahrer überfordern.

Federn

Federn werden ausgetauscht, um

  • das Auto abzusenken
  • durch progressiv härtere Federn das Ansprechverhalten zu ändern

Meist senken Tieferlegungsfedern das Auto vorne stärker ab als hinten. Durch unterschiedliche Absenkung vorn und hinten ändern sich die Radlasten, also das Gewicht, das jedes einzelne Rad zu tragen hat. Es wird gemessen, indem man das Auto auf 4 tellerförmige Waagen stellt, auf denen man die einzelnen Lasten dann ablesen kann. Die Veränderung der Radlasten ist ein Weg, um das Fahrverhalten zu beeinflussen.

Bei Rennsportfahrwerken wird sehr viel mit unterschiedlichen Federraten gearbeitet, auch werden Federn hintereinandergeschaltet, um bestimmte Effekte zu erzielen.

Tieferlegungsfedern sind kürzer und in der Progression härter als die Serienfedern. Sie helfen dabei, den Aufbau ruhiger zu halten bei der Kurvenfahrt. Sind die Federn zu hart, neigt das Auto zum Springen.

Stabilisatoren

20140706-0123-sp-1090 C WEICHERTBei der Kurvenfahrt neigt sich der Aufbau eines Autos durch die Gewichtsverlagerung. Stabilisatoren dienen dazu, diese Neigung zu begrenzen und gleichzeitig dem kurveninneren Rad zu besserem Bodenkontakt zu verhelfen. Diese Wankneigung stört vor allem in schnellen Wechselkurven, da sich der Aufbau nicht schnell genug bewegt. Durch härtere Sportstabis wird die Neigung reduziert, der Aufbau kann dadurch schneller von einer auf die andere Seite wechseln. Extremfälle kann man z.B. im Slalomsport beobachten, wo der Aufbau praktisch komplett ruhiggestellt wird.

Härter bedeutet bei Stabis aber nicht in jedem Fall besser. Beim Rennauto kamen wir teilweise mit weicheren Stabis und stärkerer Karosserieneigung zu besserem Gripverhalten als mit harten Stabis. Auch das Einlenkverhalten ist davon betroffen. Passende Achseinstellung vorausgesetzt, wird das Auto mit weichem Stabi etwas weniger "zackig" der Lenkung folgen, dafür aber bei der eigentlichen Kurvenfahrt mehr Grip aufbauen. Mit härterem Stabi hat man mehr Gokart-Feeling, verliert aber bei der Kurvenfahrt etwas.

Das Schwanken in Kurven ist nicht nur bei schnellen Wechselkurven unangenehm, da man spürt, wie das Gewicht sich von der einen auf die andere Seite verlagert. Beim sportlichen Fahren ist es wichtig, den Aufbau ruhig zu halten, dabei helfen Sportstabis. Dies trifft um so mehr zu, je schwerer das Auto ist.

Dämpfer

Im Motorsport spielt die Abstimmung der Dämpfer eine entscheidende Rolle. Mit einem oder zwei Klicks bei einstellbaren Dämpfern wird das Fahrverhalten auf bestimmte Wetterverhältnisse abgestimmt. Es wird ein hoher Aufwand betrieben, um Dämpfer mit eigenen Kennlinien zu entwickeln, die exakt zum Fahrzeug und zum Streckenprofil passen.

Für die Landstraße reichen meist die serienmäßigen Stoßdämpfer aus, oder aber es werden Dämpfer anderer Bauart eingebaut, die vom Hersteller bereits für das Fahrzeug ausgelegt wurden. Einstellbare Stoßdämpfer finden sich meist in Verbindung mit Komplettfahrwerken, da das Zusammenspiel von Federn und Dämpfern gegeben sein muss.

Komplettfahrwerke

Bereits mit Serienkomponenten lassen sich gute Ergebnisse erzielen. Wählt man passende Federn und Stabis aus, reicht das bei vielen Fahrzeugen für den Straßeneinsatz aus. Gewindefahrwerke machen dann Sinn, wenn beispielsweise der regelmäßige Einsatz auf Rennstrecken ansteht. Weiterhin hat ein Gewindefahrwerk dort Vorteile, wo eine Tieferlegung nicht möglich ist aufgrund von Garageneinfahrten etc. Man hat Dämpfer und Federn unter Kontrolle, kann aber die Höhe des Fahrzeugs nach Bedarf einstellen.
Beim Einsatz eines Gewindefahrwerks an einem Fahrzeug mit adaptiven Fahrwerken wird die Dämpferregelung stillgelegt, so dass sich das Auto wie eines mit normalem Fahrwerk verhält.

Selbst bei Gewindefahrwerken gibt es noch große Unterschiede. Die Einstellbarkeit spielt eine große Rolle. Qualitativ hochwertige Fahrwerke bieten nicht nur die Einstellung der Fahrzeughöhe an, sondern vor allem auch die Kontrolle des Dämpfers in Zug- und Druckstufe, sogar unterteilt nach High- und Low-Speed, also der Dämpfergeschwindigkeit.

Wichtig ist, dass ein solches Fahrwerk präzise eingestellt wird. Zu oft wird ein Kunde nach Einbau vom Hof geschickt mit der Angabe, dass das Fahrwerk "auf normale Werte" eingestellt sei, und dass man gerne die Einstellung verändern würde, wenn der Kunde Wünsche hätte. Damit sind die meisten Kunden aber völlig überfordert, vor allem dann, wenn sie gerade erst beginnen, sich mit einem derart komplexen Fahrwerk auseinanderzusetzen. Mehr als bei jedem anderen Fahrwerkstyp ist deshalb hier die individuelle Abstimmung erforderlich.

Reifen

D20140706-0287-sp-1254 C WEICHERTie Diskussion rund um den richtigen Reifen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen eines sportlichen Fahrers. Es dürfte fast unmöglich sein, eine Übereinstimmung zu finden, welcher Reifen "der Beste" für ein Fahrzeug ist. Allerdings wird ein geübter Fahrer sofort Unterschiede zwischen Reifen feststellen, vor allem dann, wenn er die Möglichkeit hat, denselben Fahrzeugtyp in kurzer Zeit mit verschiedenen Reifen fahren zu können, wie das bei uns oft der Fall ist.

Zunächst bleibt festzustellen, dass breiter nicht immer besser bedeutet. Oftmals schaut der Fahrzeugbesitzer darauf, dass er die maximal mögliche Reifendimension montiert, die gerade noch auf seine Felgen und in seine Radhäuser passen. Tatsächlich wird dadurch oft das Fahrverhalten negativ beeinflusst, weil die Reifen zu breit für die Felgen werden. Schwammiges Kurvenverhalten ist oft die Folge.

Auch der Felgendurchmesser hat einigen Einfluss auf das Fahrverhalten. Bei einem 19"-Rad ist die Reifenflanke niedriger als bei einem 18"-Rad. Ist dann noch ein Runflatreifen montiert, dann ist die Flanke fast unflexibel, was zu einem knackigen Einlenken, aber auch zu einem früheren "Abreißen" des Reifens in der Kurve führt.

Am oberen Ende der Skala sind die sogenannten Semi-Slicks angesiedelt. Das sind Reifen, die einem Rennreifen schon recht nahe kommen, aber sie haben noch Profil. Solche Reifen sind für den Alltagsbetrieb nur eingeschränkt einsetzbar, da sie bei Nässe kaum irgendwelchen Grip bieten und zu einem teilweise gefährlichen Fahrverhalten führen können. Solche Reifen gehören auf die Rennstrecke.

Zu beachten bleibt auch, dass mit steigender Performance der Reifen der Verschleiß drastisch ansteigt. Ein Satz Semis kann bei entsprechend schneller, sauberer Fahrweise bereits nach einem Trackdaytag auf dem Nürburgring Geschichte sein. Allerdings hat der Tag dann auch Spaß gemacht.

TÜV-Eintragung

Nachrüstbare Federn, Stabis und Gewindefahrwerke oder auch Performance-Bremsen sind in der Regel eintragbar. Bei einzelnen Fahrzeugtypen gibt es unter Umständen keine Freigabe des Herstellers, weil es sich um ein seltenes Modell handelt. Details müssen im Einzelfall geklärt werden.

 

Wir hoffen, dass diese allgemeinen Hinweise zur Fahrwerksabstimmung hilfreich sind. In anderen Bereichen unserer Website werden wir nach und nach Hinweise zu einzelnen Fahrzeugtypen einfügen. Im Zweifelsfall ist ein persönliches Gespräch am hilfreichsten.

 

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